Sicherheitsstufen von Fahrradschlössern

Wer in seiner Freizeit gerne mit dem Fahrrad unterwegs ist und dieses häufig an unterschiedlichsten Standorten abstellt, sollte sich unbedingt im Besitz eines zuverlässigen Fahrradschlosses befinden - denn auch in Deutschland haben es immer mehr Diebe auf unachtsam abgestellte Fahrräder abgesehen. Rund 300.000 Fahrräder werden hierzulande jährlich entwendet, alleine in der Bundeshauptstadt Berlin zählte die Polizei im Jahr 2016 erschreckende 34.000 Vorfälle. Damit man sein Fahrrad auch an einem Ort ohne Videoüberwachung bedenkenlos abstellen kann, ist ein sehr gutes Fahrradschloss vonnöten, welches sich anhand der vom Hersteller angegebenen Sicherheitsstufe eigentlich sehr einfach auswählen lassen müsste. Doch genau das Gegenteil ist leider der Fall: Da es in Deutschland kein einheitliches System gibt, nach dem die Sicherheitsstufen vergeben werden, setzen viele namhafte Hersteller auf hauseigene Einstufungen, die sich oftmals deutlich von denen der Konkurrenz unterscheiden. Wie sie im undurchsichtigen Dschungel der angegebenen Sicherheitsstufen dennoch den Durchblick behalten, verrät Ihnen unser nachfolgender Übersichts-Artikel.

Was ist eigentlich eine Sicherheitsstufe?

Die angegebene Sicherheitsstufe eines Fahrradschlosses informiert den Verbraucher darüber, wie leicht bzw. schwer sich das jeweilige Modell von einem Dieb knacken lässt. Je höher die angegebene Sicherheitsstufe, desto geringer ist das Risiko, dass dieses Schloss einem versuchten Diebstahlversuch standhält. Unabhängig von der angegebenen Sicherheiststufe sollte man beim Kauf eines Fahrradschlosses allerdings auch auf den Preis achten: Experten empfehlen, dass der Preis eines guten Schlosses etwa 10%, besser sogar 20% des Fahrradpreises betragen sollte. Ferner gilt es zu beachten, dass kein Fahrradschloss zu 100% sicher ist, da es sich mit dem passenden Spezialwerkzeug theoretisch knacken lässt. Allerdings arbeiten Fahrraddiebe stets mit dem Risiko, bei ihrer "Arbeit" erwischt zu werden, sodass sich das angegangene Schloss im Idealfall schnellstmöglich öffnen lassen sollte. Hochwertige und somit sehr schwer zu knackende Schlösser würden nur unnötig viel Zeit beanspruchen, die ein Fahrraddieb in der Regel nicht hat.

Gängige Beispiele von Sicherheitsstufen

Um Ihnen ein simples Beispiel für die oftmals recht unübersichtliche Angabe von Sicherheitsstufen bei Fahrradschlössern zu liefern, werfen wir zuerst einen Blick auf das namhafte Traditionsunternehmen ABUS: Der Hersteller aus Wetter an der Ruhr bildet sein hauseigenes Sicherheitssystem aus drei grundlegenden Stufen, welche allesamt in das finale Endergebnis einfließen. Dieses setzt sich zu 75% aus den eigentlichen Sicherheitsmerkmalen (Bügelstärke, Kettengliedstärke, Durchmesser des Kabels etc), zu 20% aus der gebotenen Ausstattung (automatische Schließsysteme und andere kundenfreundliche Komponenten) sowie zu 5% aus Designaspekten zusammen. Je nach errechnetem Gesamtergebnis vergibt ABUS bei seinen angebotenen Schlössern entweder die sogenannte "Extra Level"-Sicherheitsstufe (Sicherheitsstufen 5-7) oder die deutlich bessere "Maximum Level"-Sicherheitsstufe (Sicherheitsstufen 8-25).

Eine gänzlich andere Vorgehensweise verfolgt hingegen der deutsche Hersteller Trelock mit Firmenhauptsitz in Münster: Dieser kennzeichnet seine Produkte mit einer symbolischen Parkuhr, die in nur sechs unterschiedliche Sicherheitsstufen unterteilt ist. Hier weisen die Stufen 4 bis 6 darauf hin, dass ein Fahrrad mit einem solchen Schloss auch problemlos einem Profidieb über einen längeren Zeitraum hinweg standhält, oder aber über Nacht abgestellt werden kann.

Abus Sicherheitsstufen

Abus Fahrradschlösser werden mit einer Skala von 1-15 bewertet. Darüberhinaus werden Schlösser für Motorräder mit einer Skala von 1-25 bewertet.

Abus Sicherheitsstufen

Axa Sicherheitsstufen

Axa Fahrradschlösser werden mit einer Skala von 1-15 bewertet. Die Skala für Motorradschlösser kann sogar den Wert 18 erreichen.

Axa Sicherheitsstufen

Kryptonite Sicherheitsstufen

Die Fahrradschlösser des US-Amerikanischen Herstellers Kryptonite werden mit einer Sicherheitsstufen-Skala von 1-10 bewertet.

Kryptonite Sicherheitsstufen

Trelock Sicherheitsstufen

Die Sicherheitsstufen des deutschen Herstellers Trelock reichen von 1-6. Den höchsten Wert (Sicherheitsstufe 6) erreicht z. B. das Trelock BS650 Bügelschloss

Trelock Sicherheitsstufen

Lieber auf einheitliche Testsiegel achten

Da die angegebenen Sicherheitsstufen einzelner Hersteller oftmals stark voneinander abweichen, empfiehlt es sich, sein Hauptaugenmerk stattdessen lieber auf einheitliche Prüfsiegel zu richten: Hier spielen vor allem die vergebenen Siegel der unabhängigen Unternehmen ADFC und VdS eine ausschlaggebende Rolle.

ADFC (Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club e. V.)

Hinter dem ADFC (Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club e. V.) verbirgt sich quasi das Pendant zum ADAC, der sich für die Interessen von Fahrradfahrern einsetzt. Das Siegel dieses Vereins gilt aufgrund seiner herstellerübergreifenden Tests nicht nur bei Fahrradfahrern, sondern auch bei Versicherungen und Einzelhändlern als sehr guter Richtwert, um ein hochwertiges Schloss von einem weniger überzeugenden Schloss zu unterscheiden. Damit ein Fahrradschloss das begehrte ADFC-Siegel erhalten kann, muss es zuerst einer umfangreichen Anzahl von Tests standhalten. Hierzu gehören:

  • einer Bohrdauer von bis zu 120 Sekunden auf die Verriegelung standhalten
  • einer Drehbelastung von bis zu 500 Nm standhalten
  • einer Zugkraft von bis zu 30 Kn standhalten
  • einer Schneidfestigkeit von bis zu 55 Kn standhalten
  • bis zu einer Temperatur von Minus 20 Grad schlagfest sein
  • einer Sägedauer von bis zu 45 Sekunden standhalten
  • einem Picking-Versuch bis zu 180 Sekunden standhalten
ADFC Prüfsiegel für Fahrradschlösser

VdS (Vertrauen durch Sicherheit)

Neben dem ADFC-Siegel ist das VdS-Siegel (Vertrauen durch Sicherheit) das wichtigste Siegel, auf das man beim Erwerb eines neuen Fahrradschlosses achten sollte. Auch bei diesem Verein handelt es sich um eine unabhängige Organisation, die nicht nur Fahrradschlösser, sondern beispielsweise auch Haustürschlösser testet und deren Erfahrungen als Beratungsgrundlage für Versicherungen und die Polizei dienen. Um ein VdS-Siegel erhalten zu können, muss ein Fahrradschloss, ebenso wie beim ADFC-Siegel, zahlreichen Tests standhalten: Schlösser, die mit einfachen Hilfsmitteln wie Kneifzangen, Bolzenschneidern oder Eisensägen geknackt werden können, fallen hier gnadenlos durch, getestet werden die einzelnen Modelle laut eigener Angabe mit einer "breiten Palette hochwertiger Demontagewerkzeuge". Darüber hinaus wird das zu prüfende Schloss einem sogenannten Eis-Spray-Test ausgesetzt: Hierfür wird das Produkt auf minus 20° C abgekühlt und im Anschluss daran mit Hammer und Meißel bearbeitet. Nur wenn auch dieser Test erfolgreich absolviert wurde und sich das Schloss weiterhin nicht öffnen lässt, wird es mit dem begehrten VdS-Siegel versehen.

Zum Schluss noch ein wichtiger Hinweis für alle Fahrradfahrer, die ihr Fahrrad gegen Diebstahl bei einer Versicherung versichern möchten: Damit im Falle eines Falles Ansprüche bei der Versicherung geltend gemacht werden können, genügt es nicht, sich ein teures Fahrradschloss mit einer möglichst hohen Sicherheitsstufe zuzulegen. Es muss auch in jedem Fall mit einem ADFC- oder einem VdS-Siegel versehen sein, da die Versicherung den Schaden ansonsten nicht übernimmt.

VdS Prüfsiegel für Fahrradschlösser

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