Fahrraddiebstahl in Deutschland

Diesen Hinweis ausblenden In Deutschland stehlen Diebe jeden Tag fast 1.000 Fahrräder. Das regionale Risiko ist laut aktuellen Datenerhebungen sehr unterschiedlich. Münster und Leipzig gelten als Hochburgen der Kriminellen. Vorsichtsmaßnahmen sind empfehlenswert, weil die überforderten Behörden nur selten Taten aufklären. Das liegt vor allem an gewieften Straftätern, die mittlerweile organisiert vorgehen, um teure Bikes im großen Stil zu entwenden.

Daten zu Diebstählen: Zahlen für 2017

Wenn das neue Jahr beginnt, steigen viele Menschen auf das Fahrrad. Weil Radfahrer vermehrt das Bike benutzen, um an ihr Ziel zu gelangen, beginnt für professionelle Diebe die anstrengendste Zeit des Jahres. Zwischen Mai und August begehen Kriminelle, das belegen die Statistiken, rund 40 Prozent aller Diebstähle. Die Aufklärungsquote ist seit Jahren so gering, dass nur jeder zehnte Diebstahl zur Aufklärung gelangt. Verkehrsexperten glauben, dass die Quote trotz aufsehenerregender Fahndungserfolge noch einmal gesunken ist, sodass 2017 nur noch jeder elfte Diebstahl gelöst wird.

Dass bundesweit mehr als 330.000 Bikes entwendet werden, ist für dieses Jahr zu erwarten. Das besagen Daten, die Spezialisten jüngst veröffentlichten. Weil nicht alle Diebstähle zu Anzeige gelangen, liegt die Dunkelziffer wahrscheinlich weitaus höher. Der genaue Schaden ist unbekannt. Die meisten Diebstähle melden Betroffene, die in den großen Metropolen leben. In Kleinstädten und Dörfern scheint das Risiko geringer. Währenddessen meldet sich die Versicherungsindustrie zu Wort. Ihre Vertreter sprechen von einem riesigen Gesamtschaden, der 2017 mindestens 170 Millionen Euro umfassen soll.

Kriminalisten verweisen darauf, dass das organisierte Verbrechen den Fahrraddiebstahl als lukrativen Geschäftszweig erkannt hat. Daher sind organisierte Banden in großen Städten aktiv. Dort plündern diese Kriminellen in kurzer Zeit ganze Straßenzüge. Der Abtransport erfolgt zumeist im unauffälligen Kleintransporter. Die Verwertungsmöglichkeiten von Fahrrädern und Teilen gelten als exzellent, während das Entdeckungsrisiko gering ist. Außerdem erscheint vielen Menschen der Diebstahl von Bikes immer noch als Kavaliersdelikt. Dabei entsteht Besitzern ein hoher finanzieller Schaden, der meist mit einem ideellen Verlust einhergeht.

Entwicklungen im Überblick: Diebstähle in Deutschland

Für 2017 existieren noch keine genauen Daten für das Bundesgebiet. Verkehrsexperten gehen aber davon aus, dass sich die Werte kaum von 2016 unterscheiden. Damals wurden deutschlandweit exakt 332.486 Fahrräder als gestohlen gemeldet. Über 200.000 Diebstähle registrierten die Behörden in den 100 größten Städten und 60 größten Landkreisen. Münster bleibt die Stadt mit dem höchsten Risiko. Im vergangenen Jahr kam es dort zu 1.721 Fahrraddiebstählen auf 100.000 Einwohner. In anderen Städten erscheint die statistische Gefahr etwas geringer.

Die ostdeutsche Metropole Leipzig ist eine weitere Hochburg, die auf dem zweiten Platz landet. In der Stadt entwendeten Kriminelle im vergangenen Jahr 9.642 Räder. Damit klauten Kriminelle 2.791 Bikes mehr als 2015. Leipzig ist die Stadt, die bundesweit den größten Anstieg erlebt. Auf dem dritten Platz findet sich Halle (Saale). Dort wurden 1.543 Fahrräder auf 100.000 Einwohner gestohlen. Damit liegt die Stadt 152 Prozent über dem bundesdeutschen Durchschnitt. Weitere ostdeutsche Städte wie Cottbus oder Magdeburg finden sich ebenfalls auf den vorderen Plätzen der Diebstahlstatistik.

Ursachen des Diebstahls: Motive der Täter

Dass die Aufklärungsquote bundesweit gering ist, liegt an den neuen Tätern. Zwar besagt eine von Innenministerium, Landeskriminalamt, Versicherungswirtschaft und ADFC erarbeitete Studie, dass rund zwei Drittel aller Taten durch Kinder, Jugendliche und Heranwachsende verübt wird, allerdings übernehmen zunehmend Diebesbanden den Klau. Sie sind professionell organisiert und spezialisierten sich darauf, die Bikes schnell zu Geld zu machen. Daher blieben 2017 fast alle Taten ungeklärt.

Manche Täter sind Kleinkriminelle, die lokal agieren. Ihre Beute bieten sie häufig auf Flohmärkten oder über Online-Marktplätze und Auktionsplattformen an. Betroffene sollten daher die Annoncen in Online-Portalen im Auge behalten. Weil Täter zunehmend über Ländergrenzen hinweg agieren, landen Bikes aber oft auf Märkten in Osteuropa. Gegen die Banden, die mit geringen Risiko hohe Gewinnspannen erwirtschaften, ermittelt mittlerweile eine Sonderkommission des Landeskriminalamtes. Die Mitarbeiter der SOKO "Arbeitsrate Fahrrad" sollen die Hintermänner finden, die das große Geld verdienen.

Meist veräußern Kriminelle die Bikes an lokale Hehler, die die Räder mit LKWs nach Osteuropa bringen. Andere Bikes gelangen mit Kleintransportern nach Südeuropa. Weniger wertvolles Diebesgut schlachten Händler aus, die Teile erneut verkaufen. Andere Bikes, die keinen großen Wert besitzen, verladen Kriminelle in Container. Solche Räder gelangen nach Afrika, wo sie gegen kleines Geld an Einheimische veräußert werden. Dann ist es für die Betroffenen bereits zu spät. Dabei helfen Maßnahmen, die das Risiko eines Diebstahls zumindest reduzieren.

Maßnahmen für Fahrradfahrer: Vorbeugung statt Diebstahl

Als effektivstes Instrument zur Vermeidung von Diebstählen gelten Fahrradabstellanlagen. Solche Konstruktionen bieten einen guten Ankerpunkt für das Schloss, das sich am Rahmen und einem Laufrad fixieren lässt. Die Abstellanlage sollte vorhanden sein, damit Nutzer ihr Bike sicher per Schloss befestigen können. Leider sparen manche Fahrradbesitzer an letzterem Sicherheitssystem. Dabei besagen Daten aus Frankreich, dass bei 90 Prozent aller Diebstähle minderwertige Schlösser im Spiel sind. Experten empfehlen daher Varianten, die einem Aufbruchversuch mindestens drei Minuten standhalten.

Geschmiedete Ketten-, Panzer-, Falt- oder Bügelschlösser gelten als eine gute Wahl. Allerdings sind solche Schlösser oftmals unhandlicher und größer als andere Ausführungen. Gute Bügelschlösser punkten durch das reduzierte Gewicht, bieten aber eine vergleichsweise hohe Sicherheit. Noch besser sind größere Kettenschlösser, durch die sich die Bikes gut am Fahrradständer oder an einem Gegenstand befestigen lassen. Mindestens 25 Euro sollten Biker laut "Stiftung Warentest" investieren, um ein sicheres Schloss zu erwerben. Teurere Systeme sollen selbst mit Feintasteninstrumenten nicht mehr zu knacken sein.

Es existieren weitere Möglichkeiten, um zur Sicherheit beizutragen. Durch eine Registrierung des Rades, die die örtliche Polizei kostenlos vornimmt, erschweren Radfahrer den Dieben einen Weiterverkauf. Ohne den Nachweis des Eigentums kommen die Kriminellen zumindest in Deutschland nicht weit. Bei einer Kontrolle offenbart die Registrierung, wer tatsächlich Besitzer des Fahrrades ist. Falls das Bike entwendet wird, kann in manchen Fällen die Hausratsversicherung in Anspruch genommen werden. Allerdings enthalten Altverträge oftmals Nachtausschlussklauseln, sodass beim Diebstahl zwischen 22 und 6 Uhr der Versicherungsschutz entfällt.

Keine Besserung in Sicht: Ausblick auf 2018

Die deutschen Hausratsversicherungen sprechen von steigenden Gesamtschäden. Dabei gibt es keinen signifikanten Anstieg der Diebstahlzahlen, die seit Jahren auf gleichbleibendem Niveau stagnieren. Stattdessen steigt die Höhe der Entschädigungen, die schon 2016 mit durchschnittlich 600 Euro pro Diebstahl einen Höchststand erreichte. Die teure Ausstattung und die neuen Elektro-Fahrräder sorgen dafür, dass die Zahlen deutlich stiegen. Weil sich mit solchen Bikes mehr Geld einnehmen lässt, spezialisieren sich Banden zunehmend auf den Massendiebstahl dieser Räder.

Diebstähle begehen schon lange nicht mehr nicht nur Jugendliche, sondern organisierte Banden, die ganze Garagen, Kellerräume oder sogar Fahrradgeschäfte plündern. Hochwertige Räder gelangen nach Ost- und Südeuropa, wo sie auf Schwarzmärkten verkauft werden. Fahndungserfolge gibt es, trotz neuer Sonderkommission beim Bundeskriminalamt, leider nur selten. Lokale Beamte erkennen oftmals nicht die Strukturen und Zusammenhänge. So bleibt die Aufklärungsquote wahrscheinlich auch 2018 sehr gering. Es liegt weiterhin am Besitzer, sich gegen den Klau seines Bikes abzusichern.


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